Ferdinand von Schirach: Kaffee & Zigaretten

Damals gab es keine Zeit, so wie es in der Erinnerung keine Zeit gibt. Es war nur der Sommer, in dem wir unten am Fluss waren, Forellen fingen, und ich dachte, dass sich nie etwas ändern würde.", Kaffee und Zigaretten von Ferdinand von Schirach.

Die Erinnerungen an die eigene Kindheit prägen jeden Menschen. Oft assoziieren wir den Ort unserer Kindheit mit unserer Heimat. Sie bedeutet eine Fülle von Geschichten, das Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes. Lange war Heimat etwas Selbstverständliches. Auf einmal aber springt einen das Wort von überall her an, politisch aufgeladen und Thema eines gesellschaftlichen Streits: Was ist Heimat? Wer gehört dazu? Was treibt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen? Die geplanten Veranstaltungen werden diese Fragen nicht beantworten, aber die Teilnehmer zum Nachdenken anregen.

Das Buch von Ferdinand von Schirach bietet den Rahmen zur Thematik. Es handelt von prägenden Erlebnissen und Begegnungen des Erzählers, von flüchtigen Momenten des Glücks, von Einsamkeit und Melancholie, von Entwurzelung und der Sehnsucht nach Heimat. Er weist auf die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt und auf das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht, hin.

Die Veranstaltungsreihe beginnt mit der Lesung aus dem Buch „Kaffee und Zigaretten“ von Ferdinand von Schirach am 23. November 2019 im Café CaRe in Königshain. Es lesen Rita und Wolfgang Schaller aus Dresden. Am 7. Dezember lädt das Café CaRe zur Liederwerkstatt mit „Leichtfuß und Liederliesel“ ein. Der interaktive Workshop soll Kindern von 4 bis 12 Jahren das Erlernen von Advents- und Weihnachtsliedern spielerisch beibringen.

 

Wir müssen verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Und was wir wieder verlieren können. Als sich unser Bewusstsein entwickelte, sprach ja nichts dafür, dass wir einmal nach anderen Prinzipien handeln würden, als unsere Vorfahren. Aber wir gaben uns selbst Gesetze, wir erschufen eine Ethik, die nicht den Stärkeren bevorzugt, sondern den Schwächeren schützt. Das ist es, was uns im höchsten Sinn menschlich macht: die Achtung vor unserem Nebenmenschen.“, Ferdinand von Schirach.